
Projektidee
In den vergangenen drei Jahren hat die frauenBeratung nürnberg über 50 Schulungen im Rahmen von AwareFlair und LUISA IST HIER durchgeführt. Auf Grundlage der praktischen Erfahrungen wurde das Schulungskonzept kontinuierlich weiterentwickelt. Das Angebot erstreckt sich inzwischen auf zahlreiche Einrichtungen und Veranstaltungsorte und erfährt eine hohe Nachfrage sowie positive Resonanz.
In der praktischen Arbeit zeigt sich jedoch zunehmend ein weitergehender Bedarf an Awarenessarbeit. Während die bisherigen Schulungen vor allem die Prävention sexualisierter Gewalt und sexueller Belästigung sowie die Handlungssicherheit von Mitarbeitenden in entsprechenden Situationen vermitteln, entstehen in den Einrichtungen auch Fragen zum Umgang mit Rassismus, Antisemitismus, Queerfeindlichkeit sowie konsumierten oder gewaltausübenden Personen. Zudem erreichen die Beratungsstelle vermehrt Anfragen nach Awareness-Teams für Veranstaltungen, die bislang mangels personeller und struktureller Kapazitäten nicht angeboten werden können.
Durch die langjährige Projektarbeit konnten umfangreiche Erfahrungen, Netzwerke und Kooperationen mit verschiedenen Einrichtungen und Fachstellen aufgebaut werden. Daraus entstand der Wunsch, die bisherigen Strukturen weiterzuentwickeln und ein umfassenderes, langfristiges Awarenessangebot zu schaffen.
Auch vor dem Hintergrund des Gewalthilfegesetzes wird deutlich, wie wichtig es ist, Präventionsarbeit nachhaltig abzusichern. Da die gesetzlichen Rahmenbedingungen nur einen Teil dieser Arbeit abdecken, braucht es ergänzende und tragfähige Strukturen.
Aus diesen Überlegungen heraus wurde das Konzept für das neue Projekt „WE ARE AWARE“ entwickelt.
E-Learning Plattform

Das Projekt soll zunächst als Pilotprojekt in Nürnberg entwickelt, erprobt und anschließend auf ganz Bayern ausgeweitet werden. Ziel ist es, eine zentrale, fachlich fundierte und nachhaltige Anlaufstelle für unterschiedliche Bereiche der Awarenessarbeit zu schaffen.
Ein wesentlicher Bestandteil des Projekts soll eine digitale E-Learning-Plattform sein, die Schulungsinhalte zu verschiedenen Themenfeldern der Awarenessarbeit bündelt. Die Konzepte und Lerninhalte sollen von einem interdisziplinären Fachteam aus Nürnberger Beratungsstellen entwickelt werden, um unterschiedliche fachliche Perspektiven und Bedarfe einzubeziehen.
- Bedarfsgerechte digitale Schulungen: Einrichtungen können mit Hilfe eines KI-Chat-Bots ihre individuellen Bedarfe und thematischen Schwerpunkte angeben. Auf dieser Grundlage erhalten sie Zugang zu einem auf ihre Anforderungen zugeschnittenen Modulhandbuch.
- Verbindlicher Lernprozess mit Zertifizierung: Die bereitgestellten Module sollen innerhalb eines festgelegten Zeitraums absolviert werden. Ergänzende Lernkontrollen beziehungsweise kleinere Prüfungen sollen die Wissensvermittlung unterstützen. Nach erfolgreichem Abschluss erhalten die Teilnehmenden ein Zertifikat.
- Unterstützung bei der praktischen Umsetzung: Sobald alle angemeldeten Mitarbeitenden einer Einrichtung die Schulung erfolgreich abgeschlossen haben, erhält die Einrichtung Materialien zur Umsetzung des erarbeiteten Awarenesskonzepts. Das Vorgehen orientiert sich dabei an den Erfahrungen aus dem Projekt LUISA IST HIER, soll jedoch auf weitere Awarenessbereiche ausgeweitet werden.
- Ergänzende Präsenzschulungen: Für Einrichtungen mit spezifischen Themenbedarfen sollen bei Bedarf auch Präsenzschulungen angeboten werden. Hierfür ist eine eigene organisatorische Einheit vorgesehen, die die Koordination und Durchführung entsprechender Schulungsangebote übernimmt.
- Fachlich qualifizierte Awareness-Teams: Perspektivisch soll das Projekt dazu beitragen, Awarenessarbeit stärker zu professionalisieren. Anstelle einer überwiegenden Durchführung durch ehrenamtlich tätige FLINTA-Personen sollen künftig auch hauptamtliche, finanzierte und fachlich qualifizierte Fachpersonen für die Durchführung von Awarenessaufgaben zur Verfügung stehen.

Das Projekt soll dabei nicht ausschließlich auf den Schutz vor sexualisierter Gewalt und sexueller Belästigung ausgerichtet sein, sondern weitere relevante Themenfelder der Awarenessarbeit berücksichtigen. Dazu zählen unter anderem der Umgang mit Drogenkonsum, Diskriminierung, Rassismus, Antisemitismus und Queerfeindlichkeit. Ziel ist die Entwicklung eines ganzheitlichen und bedarfsgerechten Angebots, das Einrichtungen bei der Schaffung sicherer und diskriminierungssensibler Strukturen unterstützt.
